Anlage 2: Kraft und Wärme aus Holz

1. Vergasung

2. Anwendung der Vergasung

3. Funktion eines Festbett-Gleichstromvergasers

4. Möglichkeiten der Gasverwertung

5. Kraft-Wärme-Kopplung in einem Blockheizkraftwerk (BHKW)

6. Emissionen

7. Literatur

 

Vergasung

Bei der Vergasung wird Biomasse bei hohen Temperaturen möglichst vollständig in einen gasförmigen Energieträger (d.h. Brenngas) umgewandelt. Dabei wird der erhitzten Biomasse ein sauerstoffhaltiges Vergasungsmittel (z. B. Luft) zugeführt. Die organischen Stoffe werden in brennbare Verbindungen aufgespalten und der zurückbleibende Kohlenstoff wird zu Kohlenstoffmonoxid teilverbrannt.

Die Vergasung erfolgt bei unterstöchiometrischer Verbrennung (0: die stöchiometrische Menge Oxidationsmittel ist die Menge, die dem Brennstoff rechnerisch mindestens zu einer vollständigen Verbrennung zuzuführen ist: l=1). Die erforderliche Prozesswärme wird meist durch eine teilweise Verbrennung der eingesetzten Biomasse bereitgestellt. Ein wesentliches Merkmal der Vergasung besteht in der räumlichen und zeitlichen Trennung zwischen Erzeugung und Verwertung des Prozessproduktes Gas. Darin liegt auch der Unterschied zur Verbrennung und Feuerung. Hierzu bemerkt Nussbaumer [1]:
"Wenn das erzeugte Gas direkt in einer Brennkammer zur Wärmeerzeugnug eingesetzt wird, ist kein thermodynamischer Unterschied zwischen einer Holzfeuerung und einem Holzvergaser."

Hieraus wird ersichtlich, dass die Vergasung ein Teilprozess der Verbrennung ist und das Gas durch eine nicht vollständige Verbrennung entsteht. Das produzierte niederkalorische Brenngas mit einem durchschnittlichen Brennwert von 5 MJ/m3 kann in Brennern zur Wärmebereitstellung und in Verbrennungsmotoren oder Gasturbinen zur Stromerzeugung bzw. zur kombinierten Wärme- und Strombereitstellung eingesetzt werden.

 

Anwendung der Vergasung

Die Vergasung der Biomasse stellt eine vielversprechende Technologie - insbesondere zur Stromerzeugung - dar. Es wird hierbei ein hoher Wirkungsgrad, bezogen auf die bereitgestellte elektrische Energie, erzielt. Zum anderen sind prozessbedingte geringere Emissionen im Vergleich zu einer Stromerzeugung über eine direkte Biomasseverbrennung zu erwarten. Deshalb wurden in den letzten Jahren auch erhebliche Forschungsanstrengungen unternommen, diese Technologie großtechnisch verfügbar zu machen. Auf dem Oberhausener Biomassevergasungskongress im September 2001 war es daher eine wichtige Erkenntnis, dass diese elegante Form der Energiegewinnung jetzt die Marktreife erreicht habe [2].

Kommerziell werden gegenwärtig allerdings nur einige wenige Vergasungsanlagen ausschließlich zur Wärmebereitstellung betrieben. Anlagen zur Stromerzeugung - nur hier kommt der eigentliche Vorteil der Vergasung voll zum Tragen - existieren derzeit nur als Pilotprojekte im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Probleme gibt es dabei besonders mit der Gasreinigung, da die vergaste Biomasse hohe Staubgehalte und teilweise erhebliche Anteile an kondensierbaren organischen Stoffen aufweist. Nachgeschaltete Verbrennungsmotoren und Gasturbinen verlangen jedoch ein weitgehend kondensat- und staubfreies Brenngas [3].

Einen idealen Vergaser für die verschiedenen Arten von Biomasse gibt es nicht. Die bekannten Vergasertypen haben sowohl Vorteile als auch Nachteile im Hinblick auf die zu vergasende Biomasse, die gewünschte Gasqualität sowie die Investitions- und Betriebskosten. Die einzelnen Vergasungssysteme unterscheiden sich durch

· den Reaktortyp (Festbett-, Wirbelschicht- bzw. Flugstromreaktor)

· die Art der Wärmebereitstellung (Wärmezufuhr von außen oder durch teilweise Oxidation des Brennstoffs)

· die Richtung der Massenströme der Biomasse und des Vergasungsmediums zueinander (Gegenstrom- oder Gleichstromvergasung), sowie

· das eingesetzte Vergasungsmedium (Luft, Sauerstoff, Wasserdampf)

 

Funktion eines Festbett Gleichstromvergasers

Das mit dem Brennstoff eingetragene Wasser wird hier zunächst bei einer Temperatur von 100°C - 200°C verdampft (Trocknung).

Danach erfolgt die Entgasung und thermische Zersetzung der Inhaltsstoffe in überwiegend gasförmige Bestandteile bei Temperaturen zwischen 300°C und 600°C unter Sauerstoffausschluss (Pyrolyse: lamba=0).

Bei Temperaturen meist über 600°C findet die Oxidation des Kohlenstoffs und Wasserstoffs zur Deckung des Wärmebedarfs der endothermen Reduktionsreaktion und der Aufspaltung der in der Pyrolysezone gebildeten Kohlenwasserstoffe statt.

Die Entstehung des eigentlichen Holzgases findet bei Temperaturen von ca. 500°C durch die Reduktion der Oxidationsprodukte CO2 und H2O an der glühenden Kohle statt.

Grundlage ist hierbei das Boudouard`sche Gleichgewicht der Kohlenstoffreaktion und weitere Gleichgewichtsreaktionen wie das Wassergas- und Methangleichgewicht, die stark von der Temperatur und dem Druck beeinflusst sind [4].

Boudouard-Reaktion: C + CO2 --->CO -162,2 KJ/mol [5]

Wasserstoffreaktion: C + H2O --->CO +H2 -119,0 KJ/mol [5]

Methanreaktion: C+ 2H2 --->CH4 [5]

Durch den Vergasungsprozess entsteht ein Gas, das aus einer Mischung von brennbaren (H2, CO, CH4) und nicht brennbaren Gasen (CO2, N2) besteht.

Die durchschnittliche Zusammensetzung ist in Abbildung 1 dargestellt.

Abb.1: Durchschnittliche Zusammensetzung von Holzgas mit Vergasungsmittel Luft

Die Zusammensetzung des Rohgases hängt von der Art des Brennstoffs (Stückgröße, Feuchtigkeit und chemische Zusammensetzung), dem Vergasungsmittel, der Vergasungstemperatur und den Druckverhältnissen im Reaktor ab.

 

Möglichkeiten der Gasverwertung

Die drei für das Holzgas zur Zeit interessantesten Nutzungsmöglichkeiten sind

1. die direkte thermische Nutzung zur Erzeugung von Wärme,

2. die Nutzung in einem Verbrennungsmotor und

3. die bislang nur für größere Leistungen mögliche Nutzung in einer Gasturbine bzw. Gas- und Dampfturbine zur Erzeugung von Strom und Wärme.

In Zukunft können auch der Stirlingmotor und die Brennstoffzelle als Energieerzeuger mit Generatorgas zur Option werden [6].

Ein Überblick über die unterschiedlichen Verfahren zur Stromerzeugung aus Biomasse ist in Abbildung 2 dargestellt.

Abb. 2: Stromerzeugung aus Biomasse mit unterschiedlichen Verfahren (Hartmann und Strehler, 1995)

 

Kraft-Wärme-Kopplung durch ein Blockheizkraftwerk

Die meistdiskutierte und vielversprechende Nutzung von Bio- und Holzgas ist die Nutzung in Blockheizkraftwerken (BHKW). Die Vorteile von BHKW´s gegenüber anderen Nutzungsmöglichkeiten lassen sich durch folgende Effekte beschreiben:

- Hoher Gesamtwirkungsgrad von BHKW gegenüber getrennter Erzeugung von Strom und Wärme

- Module von BHKW im kleinen Leistungsbereich (bis 5 MWel) sind als ausgereifte Technik vorhanden; die Motoren sind robust und vielseitig einsetzbar

- Dezentrale Wärme- und Stromversorgung in Gebieten mit hohem Biomasseaufkommen durch Einsatz kleiner BHKW-Module möglich

- CO2 Einsparung aufgrund des höheren Wirkungsgrads gegenüber getrennt erzeugtem Strom und Wärme

Die wesentlichen Komponenten eines BHKW sind der Verbrennungsmotor und die Wärmetauscher zur Nutzung der Abwärme aus Kühlwasser, Abgas und Öl. Verbrennungsmotoren mit innerer Verbrennung werden seit Jahren erfolgreich zur gemeinsamen Produktion von Strom und Wärme eingesetzt. Für die Gasnutzung werden meist Industriemotoren oder Automotoren modifiziert und auf den Einsatz von Holzgas umgerüstet. Probleme mit dem gereinigtem Holzgas können enthaltene Kondensate darstellen, die sich an den Einspritzdüsen festsetzen können. Diese müssen im Rahmen der Wartungsarbeiten gereinigt werden. Ablagerungen im Motorraum erfordern verkürzte Ölwechselintervalle. Die Grenzwerte für die Teerverbindungen liegen bei 100mg/m3 Holzgas [7].

Als Motoren werden daher häufig die Zündstrahldiesel und auf Fremdzündung (Zündkerzen) umgebaute Dieselmotoren und Ottomotoren eingesetzt. Am einfachsten ist der Betrieb mit Zündstrahlmotoren. Diese erfordern zwar für die Einleitung des Verbrennungsvorgangs 5%-20% Zündöl; dafür ist eine gleichbleibende Gasqualität aber nicht notwendig. Durch Direkteinspritzung wird das angesaugte Produktgas im Zylinder mit der zur sauberen Verbrennung nötigen Menge Diesel oder Biodiesel angereichert. Dem Motor wird genau die Menge an Zündöl eingespritzt, die er benötigt, um die Leerlaufdrehzahl zu halten.

In die Ansaugluft wird ein Gasmischer geschaltet, der dann soviel Holzgas in den Luftmassenstrom mischt, bis der Motor die Sollleistung erreicht. Durch Regelung der Zündölmenge kann auf Schwankungen der Produktgasqualität reagiert werden. Bei vollkommen gestoppter Gasproduktion ist es möglich, den Motor zu 100% mit Zündöl zu betreiben.

Der Einsatz von Gasmotoren erfordert eine höhere Gasqualität und befindet sich noch in der Erprobungsphase für den Dauerbetrieb.Eine Vielzahl von Institutionen und Unternehmen in Europa beschäftigen sich noch immer mit der Entwicklung und Einführung dieser Technologie.

Die Verwendung von Schwachgasmotoren ist zu empfehlen, da diese im Vergleich zu den oben genannten Zündstrahlmotoren eine bessere Gasausbeute haben und somit umweltfreundlich er sind.

Tab. 1: Merkmale verschiedener Motorenbauarten (Mittleitner 2000) [8]

Prinzipiell können BHKW nach zwei Hauptbetriebsweisen ausgelegt werden:

- stromgeführt

- wärmegeführt

Beide Betriebsweisen orientieren sich an dem Bedarf nach Energie und sind damit nachfrageorientiert. Stromgeführte BHKW produzieren den Strom, der benötigt wird; überschüssige Wärme wird an die Umgebung abgegeben. Dadurch kann der Gesamtwirkungsgrad sinken. Wärmegeführte BHKW folgen dem Wärmebedarf und decken, um eine hohe Vollaststundenzahl zu erreichen, meist die Grundlast des Wärmebedarfs eines Objektes; Stromüberschüsse werden ins Netz eingespeist.

Eine dritte Möglichkeit des Betriebes von BHKW´s kann die Entsorgung von biogenen Reststoffen darstellen und ist damit angebotsorientiert. Hierbei wird soviel Strom und Wärme produziert, wie es das Angebot ermöglicht. Bei Vergasung von Biomasse kann das durch Zugabe von z.B. beschichteten Althölzern, erreicht werden.

Um einen hohen Gesamtwirkungsgrad der Anlage zu erreichen und damit wirtschaftlich zu arbeiten, empfiehlt sich die Wärmeauslegung für ein BHKW. Für den Fall, dass die Wärme nicht abgenommen wird, sollte eine Kühlung vorhanden sein. In den warmen Jahreszeiten kann die Wärme über Wärmepumpen zur Kälteerzeugung herangezogen werden.

 

Emissionen

Die Emissionen der Holzvergasungsanlage setzt sich im Wesentlichen aus den Abgasen der Motoren und dem Ascheanfall zusammen. Besonders der hohe CO-Wert im Abgas kann eine aufwendige Gasreinigung erfordern. Um den Emissionsgrenzwerten zu genügen, muss das Motorabgas gegebenenfalls über einen Oxidationskatalysator gefiltert werden.

Folgende Abgasgrenzwerte der Bundesemissionsschutzverordnung sind dabei einzuhalten:

Tab. 2: Emissionsgrenzwerte im Vergleich (Kleinhappl 2001) [9]

Die Forcierung der Energiegewinnung aus Biomasse ist für sich allein gesehen noch nicht als vollständig ökologisch unbedenkliches Verfahren anzusehen. Sie wirkt wohl positiv in Richtung der Verringerung von CO2-Emissionen aus fossilen Energiequellen, wesentlich für eine gesamt-positive Bewertung dieser Technologie ist jedoch, dass auch alle anderen Rückstände, wie insbesondere die Asche aus der Biomassevergasungsanlage, einer ökologisch sinnvollen kreislaufwirtschaftlichen Verwendung wieder zugeführt werden können.

Es geht also bei der dezentralen Energiegewinnung aus Biomasse neben der Schließung des CO2-Kreislaufes vor allem um die Schließung des Aschenkreislaufes. Asche aus dem Holzvergaser sollte vor der landbaulichen Verwertung in einem Labor untersucht werden. Bei der Vergasung fallen überwiegend feine Aschepartikel an, die mit einem Fliehkraftabscheider von dem Holzgas getrennt werden.

Da mit der Feinheit der Aschefraktionen die Schwermetallkonzentrationen für fast alle umweltrelevanten Elemente (Zn, Pb, Cd, Hg) deutlich zunehmen [10], wurde an der Universität Karlsruhe am Lehrstuhl für Geochemie eine Qualitative Analyse mit der energiedispersiven Röntgenfloureszenz-Methode für Ascherückstände aus dieser mit Hackschnitzeln betriebenen Vergasungsanlage durchgeführt. Das Ergebnis ergab einen erhöhten Gehalt an Kupfer, Zink (je100-300mg/g), Brom (100-300mg/g) und Spuren von Eisen. Die enthaltenen Nährstoffe (Ca, K, Mg, P) rechtfertigen nach dieser Analyse aber die Ausbringung der Ascherückstände.

Bei Verwendung von belasteten Altholz sollte allerdings eine Deponierung der Aschefraktionen einer landbaulichen Verwertung vorgezogen werden.

 

Literaturangabe:

[1] Nussbaumer, T. (1992): Neue Konzepte zur schadstoffarmen Holzenergienutzung, BEW (Bundesanstalt für Energiewirtschaft), Zürich

[2] Europäischer Fachkongress: Grüne Investitionen in die Biomasse Vergasung, 27. - 28. September 2001, Oberhausen

[3] 4. Internationales Fachsymposium "Marktreife Holzvergaser-Technik" 13. Dezember 2001, Karlsruhe

[4] Steinbrecher, N., Walter, J. (2000); Marktübersicht dezentrale Holzvergasung S.6, Institut für angewandte Ökologie e.V., Darmstadt, 2001

[5] Grundlagen der Abfallwirtschaft, Thermische Verfahren zur Abfallbehandlung, Kapitel 8-15, Bauhaus Uni Weimar

[6] Hartmann H., Strehler A. (1995), Stellung der Biomasse in der Landwirtschaft, Münster

[7] Nussbaumer, T. (2001): Potentiale und Technik der Holzvergasung, Grüne Investitionen in die Biomassevergasung, 27.-28 September 2001 in Oberhausen

[8] Mittleitner, J. (2000), Stand der Technik von Biogasanlagen, Bayrische Landesanstalt für Landtechnik

[9] Kleinhappl, M. (2001): Biomassevergasung in einem Festbettvergaser, Kongress Marktreife Holzvergasertechnik, Karlsruhe Dezember 2001

[10] Obernberger, I. (1998): Ashes and particulate emissions from biomass combustion Series Thermal Biomass Utilization, Volume 3, dbv-Verlag , S.10-19

 

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